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Sail Holland Charters
Sasja van Brink
& Ekko Prins
Dotterhof 4
9753 JK Haren

Tel. +31 655 195050
E-mail; info@cinclus.nl

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Rundschreiben
Garnwerd   Saverne   Strépy-Thieu
Rundschreiben 2019

Sanft rieseln gelbe Rosenblüten ins kalte Wasser, leise. Es ist der 14. April. Zusammen mit seinem Lebens-gefährten nehmen wir Abschied von einem Freund, einem Seemann, der das Salzwasser liebte. Oft stand er am Steuerrad der Safier und der Cinclus. Jetzt ist er zurück in seinem Element. Ein denkwürdiger Tag am Beginn der neuen Fahrsaison. Anderntags machen Ekko und ich einen langen Spaziergang im Frühlingswald. Die Natur treibt Knospen, bringt neues Leben hervor. Abends sehen wir via Internet, wie in Paris Notre-Dame brennt und der Dachreiter einstürzt.

Zu zweit durch Friesland. Während der Ostertage ein herzliches Wiedersehen mit anderen Schiffsleuten auf dem Kop von Jacobi, einem Inselchen in einem Naturschutzgebiet. Fahrrad fahren, Kinder und Freunde besuchen, mit Enkelin Afke einen Tag an Bord verbringen. Ruhe und Stille im wasserreichen Fryslân genießen …

Ende April fahren wir mit Tochter Fernanda Richtung Weerribben, ein großes Naturschutzgebiet, wo Schilfrohr geerntet wird. Unterwegs dorthin, in Ossenzijl, droht die Kaimauer bei einer Brücke einzustürzen. Wir müssen zurück. Weiter geht es über Lemmer, einige Meilen auf dem IJsselmeer, schleusen bei Urk, durch den Polder an Tulpenfeldern und frisch gepflügten Äckern vorbei. Wir steuern Blokzijl an, ein malerisches Städtchen.

Am 1. Mai winken wir Fernanda zum Abschied bei der Bushaltestelle nach. Weiter geht es. Ups, in Zwolle wird eine Brücke repariert. Deshalb kommt die erste Gruppe, lauter Frauen, im nahegelegenen Hattem an Bord. Dank Internet ist sie schnell informiert worden. So steuert Ekko im Kreis von sieben fröhlichen Frauen über IJssel und Niederrhein nach Den Bosch.

In der Stadt des Malers Hieronymus Bosch können wir längsseits der Catharina anlegen, wohlgemerkt: mitten im Zentrum! Eine sehr schöne Stelle mit ganz lieben Nachbarn, dem Künstler Bram und der Yogalehrerin Marie. Zweimal pro Jahr ist es unser Rastplatz.

Weiter nach Maastricht, wo man sich schon wie im Ausland vorkommt, wo Eva, Studentin und Tochter von Freunden, fünf Minuten nach dem Anlegen an der Mole an Bord klettert – schon informiert von ihrem Papa, der uns über Internet folgt. Hier atmen wir drei Tage lang südliche Atmosphäre. Hier kommen auch die nächsten Gäste an Bord.

Der Maas folgend und Lüttich grüßend, werden wir in Belgien mit Regen, Sturm, Donner und Blitz empfangen! Bei Namur geht es über Steuerbord auf die Sambre, Richtung Charleroi. Hier ist die Demontage der Stahlfabriken in vollem Gang. Das Schleusenwasser ist rabenschwarz. Um der Umgebung etwas Farbe zu verleihen, haben Graffiti-Künstler auf einer langen grauen Mauer ihre Werke hinterlassen. An beiden Ufern zeigt sich schon das heitere Rot des Klatschmohns! Eines Tages steht am Kai nach eine kleine Wanderung auf dem Terrassentisch ein Sträußchen mit Klee und Margeriten. In Mons haben wir uns verabschiedet von den Gästen und fahren zu zweit weiter.

Dieses Jahr haben wir uns für eine Runde auf französischen Flüssen entschieden. Wegen unzureichend gefüllter Wasserreservoire wollen wir so wenig wie möglich Kanäle befahren. So führt die Strecke über den Canal du Nord, die Oise, Seine, Yonne und den Canal de Nivernais zum Umkehrpunkt in der Bourgogne und zurück über Yonne, Seine, Marne, den Canal de l’ Aisne à la Marne, Aisne, Oise und Somme wieder zum Canal du Nord.

In Compiègne an der Oise hält ein Wohnmobil an, Freunde: Chris und Yvonne! Ein Tag später, am 1. Juli, ein weiteres frohes Wiedersehen: die über 80jährigen steigen an Bord. Die Gruppe wollte unbedingt nach Paris. Über die sich schlängelnde Seine, an der Trauer tragenden Kathedrale Notre-Dame im Baugerüst vorbei zur schmalen Schleuseneinfahrt am Eingang des Canal St. Martin, von dort weiter durch den märchenhaften Tunnel mit den aus kreisrunden Luftöffnungen hängenden hellgrünen Ranken, quer durch Paris fahrend. Brücken machen für uns auf, acht Schleusentreppen mit einem Höhenunterschied von etwa 40 Metern gilt es zu bewältigen, Handy-Fotografen drängen sich auf gebogenen Passerelles, den zierlichen Fußgängerbrücken. Nach zwei Stunden hochkonzentrierter Fahrt kommen wir im breiten Bassin de la Villette an. Schnell verbindet uns das Laufbrett mit der Promenade. Es war eine anstrengende Freitagsstrecke mit kräftigen Windböen, gepeitscht von seufzende Ästen uralter Platanen und Kastanien bei den Schleusen aus dem Jahr 1848. Ekko bleibt bei allem ruhig und konzentriert. Chapeau!!!

Gut eine Stunde am Kai, gibt es ein frohes Hallo: Lisa, die Tochter eines Mitglieds der Gruppe steigt an Bord. – Sie freut sich über drei Tage Paris mit uns. Samstagmorgen fährt der Bus für die Rückreise unserer Senioren-Gruppe vor, kommen Freunde vorbei, läuft die Waschmaschine …, das übliche Programm. Nachdem klar Schiff gemacht ist, bewirten wir uns freundlich á la Cuisine française bio. Dabei unterhalten wir uns mit einem litauischen Ehepaar, ihrem zehn Jahre alten Töchterchen und zwei japanischen Damen. Anschließend Stadterkundung mit Lisa – zu Fuß und ganz ohne Metro! Da kommen einige Kilometer zusammen. Aber so erfährt man Paris am besten. Lisa begleitet uns noch den ganzen Canal St. Martin zurück bis zur letzten Schleuse an der Einmündung in die Seine. Dort steigt sie aus, winkt uns nach. „Das war ja magisch“, hinterlässt sie uns zum Abschied.

Und was hatte Frankreich noch für uns in petto? – Während der freien Wochen verspüren wir kaum Zeit-druck! Dafür können wir unvorhergesehenen Begegnungen mit unbekannten Schiffsleuten aus vieler Her-ren Länder mehr Aufmerksamkeit und Zeit schenken. Die Existenzweise als „Wasserwanderer“ und die Liebe zum Leben auf einem Boot verbinden sofort.


Einige Notizen aus dem Logbuch

Begegnung mit einer Familie auf der Marne. Sie ist mit einer schönen, gepflegten Tjalk unterwegs. Papa Nick ist Engländer, Mama Ala Polin; Sohn David spricht mit seinen acht Jahren fließend zwei Sprachen.

Aber es geht noch „verrückter“. In Samois an der Seine, dem Geburtsort von Gitarrenspieler Django Rein-hard, lernen wir Nick (Franzose), Helène (Franco-Kanadierin) und den kleinen Leonard kennen. Der Kleine hat gerade seine ersten Schritte auf der Drie Gebroeders gemacht, einem kürzlich in der Nähe von Rotterdam gekauften holländischen Schiff. Nick kommuniziert mit seinem Sohn auch mit Hilfe von drei Handpuppen. Die eine, „Gustave“ genannt, spricht Französisch; die zweite, „John“, Englisch und „Luigi“ als dritte Italienisch. Nick ist ein wahrer Pädagoge, dazu Fotograf, Skipper und … – kurz: ein Faktotum. Das ganze Interieur der Drie Gebroeders wird renoviert. Die kleine Familie ist unterwegs nach Montauban. Ihr Wunsch ist, in Zukunft mit sechs Gästen auf dem Canal du Midi zu fahren.

Unterwegs fällt kein einziger Tropfen Regen, dafür herrscht zwei Wochen tropische Hitze: 42 Grad im Schatten von Bäumen auf der Marne in der Champagne, eine Woche ungeschützt in praller Sonne in Auxerre. Zufällig haben wir in dieser Zeit keine Gäste an Bord. Morgens zum Bäcker, abends ein Spazier-gang, zwischendurch lesen. Mit den dänischen Nachbarn haben wir ein gutes Verhältnis, Häppchen und Getränke gehen hin und her. In Auxerre liegen wir neben einem Flusskreuzfahrtschiff mit reichen Amerika-ner an Bord. Skipper „Piwie“ kennt die Umgebung wie seine Hosentasche. Er lädt uns ein auf ein Glas Wein. Es sind vorzügliche Weine, die die abgereisten Amerikaner in angebrochenen Flaschen hinterlassen haben! Dank Piwies genauer Kenntnis der Fahrwasser können wir mit einer völlig neuen Gruppe einige Kilometer auf dem Canal de Nivernais fahren. Ein langgehegter Wunsch geht damit in Erfüllung, wunderschön! Dank der Hitze sind wir um zwei positive Erfahrungen reicher.

Wir haben sehr schöne Reisen mit vertrauten Gästen gemacht, durften auch neue, noch nicht bekannte Mitfahrende herzlich willkommen heißen. Mit jeder Gruppe entwickelt sich eine eigene Dynamik. Bei jeder Fahrt kommen Gäste zur Ruhe. Wir spüren: Sobald die Leinen los sind und die Verbindung mit dem Land gelöst ist, bestimmt nicht mehr das Leben an Land den Rhythmus des Alltags. Nicht vorhersehbare Konstellationen konfrontieren mit Neuem, Unbekanntem. Das schärft die Aufmerksamkeit, tut wohl. Es entwickelt sich eine andere Lebensart beim Fahren in slow motion durch die Natur mit ihren offenen Räume, die dazu verlocken, den Blick weit schweif zu lassen. Etwas ganz Eigenes ist das Ein- und Ausfahren bei den Schleusen, das Sinken und Steigen des Schiffs mit dem Wasserstand, die Zeit für Gespräche auf dem Hinterdeck. Unaufhörlich befindet sich die Cinclus in einer leicht wiegenden Bewegung. Manchmal ist sie kaum zu spüren, aber immer da! Zuweilen gibt es keine vorbereitete Anlegestelle oder sind die Schleusenwärter schon nach Hause gegangen. Dann kommt eine spezielle Art und Weise des Anlegens zum Einsatz, die „Urwald“-Technik: Äußerst vorsichtig zum Ufer manövrieren, mit Hilfe von Bootshaken die Leinen um fest mit dem Boden verbundene Baumstämme oder starke Äste legen, fest vertäuen – und schon liegt die Cinclus einigermaßen gesichert am Ufer. Dann lecker gegessen, gut geschlafen und wieder weiter.

Ekko gerät noch immer in Ekstase, wenn – einem blauen Blitz gleich – ein Eisvogel übers Wasser flitzt.

Unseren neuen Rhythmus finden wir sehr angenehm. Wir wollen ihn auch 2020 so fortsetzen.

Am 9. Oktober vertäuen wir in Groningen. Marian (13), die Tochter unserer Schiffsnachbarn, ist froh, dass wir wieder zurück sind. Golda (80), eine Nachbarin an Land, bringt uns einen Groninger „Knolkuchen“ und … da flitzt ein Eisvogel am Bullauge vorbei. Welch ein Willkommen!

Ein Willkommen ähnlicher Art wünschen wir all unseren lieben Freunden und Gästen!


Sasja und Ekko